Kategorie: Sonstiges (Seite 5 von 6)

Selbstachtung

Liebe Leserinnen und Leser,

die Ferien (zumindest die Schulferien) sind vorbei. Unseren Kindern wird gesagt, dass nun wieder der „Ernst des Lebens“ angesagt ist. Deshalb finden Sie im September-Newsletter wieder gehaltvolle Kost – es geht um das Thema Selbstwert.

Selbstachtung

Selbstachtung – was ist das eigentlich? Ist es das Urteil, das wir über uns als Person fällen? Drücken wir damit aus, was wir von uns selbst halten? Dann ist es wohl ein rein subjektives Empfinden, das für jeden Menschen ganz unterschiedlich ausfällt?!

Was macht Selbstachtung aus?

Die Psychotherapeuten André und Lelord vertreten die Ansicht, dass folgende drei Dinge Selbstachtung ausmachen:

◾Selbstvertrauen,

◾die Sicht auf das eigene Ich und

◾die Selbstliebe.

Die Selbstliebe wird von den Therapeuten als das wichtigste der genannten Elemente eingeschätzt. Sie gehen davon aus, dass die Anerkennung, die man sich selbst gibt, unabhängig von der eigenen Leistung ist. Man hält sozusagen sich selbst die Treue.

Bei der Sicht auf das eigene Ich, geht es darum, wie man die eigenen Stärken und Schwächen bewertet.

Selbstvertrauen ist das Vertrauen auf sich selbst und aus eigener Kraft zu handeln und die Kontrolle über schwierige Situationen gewinnen zu können.

Die beiden Therapeuten gehen davon aus, dass alle drei Komponenten wie ein Grundstein in der Kindheit gelegt werden. Diesem Ansatz möchte ich dem Grunde nach nicht widersprechen, ich gebe jedoch zu bedenken, dass unsere Eltern weder im Positiven noch im Negativen stets verantwortlich gemacht werden können. Wie auch immer die Botschaften unserer Eltern bzw. Bezugspersonen gefärbt waren, wohlwollend oder ablehnend, wir nahmen sie in uns auf und sie wurden zu Grundüberzeugungen (Glaubenssätze oder Beliefs). Weil es sich um Meinungen über uns handelt, von Personen die für uns wichtig waren, glauben wir gerne daran. Das heißt aber nicht, dass dies das letzte Urteil ist. Man kann auch als Erwachsener noch lernen, sich selbst zu mögen und sich selbst die Anerkennung zu geben, die man verdient.

Die Psychotherapeutin Melanie J. V. Fennell geht davon aus, dass selbstwertstarke Menschen, also Menschen mit einem positiven Bild von sich selbst, wissen, dass sie über bestimmte Fähigkeiten verfügen. Sie trauen sich zu, Neues zu lernen und Herausforderungen zu bewältigen. Sie sind auch davon überzeugt, dass sie in einigen Bereichen Ihres Lebens etwas richtig gut können. Selbstwertstarke Menschen besitzen eine hohe Frustrationstoleranz und starkes Durchhaltevermögen und lassen sich daher von Misserfolgen und Fehlern nicht so schnell aus der Bahn werfen. Selbstwertstarke Personen trauen sich, Dinge in die Hand zu nehmen und zu handeln, sind sie zumeist erfolgreicher und damit wird wiederum das Selbstwertgefühl gesteigert.

Das Gegenteil von selbstwertstarken Menschen sind Menschen mit geringer Selbstachtung.

Selbstwertschwache Personen kritisieren sich selbst oft und viel. Ihr Fokus liegt vorwiegend auf ihren Unzulänglichkeiten. Eigene Bedürfnisse können nur schwer geäußert werden. Schuldgefühle ebenso wie Frustration und Wut stehen bei diesen Menschen oft im Vordergrund. In Kontakt mit anderen Menschen, sind selbstwertschwache Personen häufig befangen. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Menschen im Berufsleben Herausforderungen eher meiden. Manche von ihnen leisten weniger, als sie könnten; andere hingegen neigen zum Perfektionismus, aus Angst vor Versagen. Sie hoffen, mit ihrem übermäßigen Einsatz Kritik und Misserfolge abzuwenden. In der Freizeit werden Aktivitäten, bei denen sie beurteilt werden können, wie beispielsweise Sportwettkämpfe, gemieden.

Was kann man tun, um den Selbstwert zu steigern?

Die Psychotherapeutin Friederike Potreck-Rose nennt hierzu folgende Möglichkeiten:

  1. Erkennen Sie sich selbst: Fragen Sie sich einmal selbst „wer bin ich?“ in folgenden Bereichen: Partnerschaft, Kinder, Freundschaften, Hobbies. Ist das Selbstwertgefühl in einem Bereich gering, kann man seine Aufmerksamkeit auf die anderen, positiveren Bereiche lenken. Dies ist umso leichter, je mehr Rollen und Interessen Sie besitzen. Stärken Sie Ihre Stärken!
  2. Vergleichen Sie sich: Vergleichen Sie sich nicht auch manchmal mit anderen Menschen? Was ist die Norm, die wir als Bezugsgröße wählen? Wer bestimmt das Maß, die Einheit? Wohl Sie selbst, oder? Sie können sich stets mit Menschen vergleichen, die besser sind als Sie. Sie können sich auch an Normen orientieren, die sehr streng sind. Ist es nicht vielleicht günstiger die Latte niedriger anzulegen und sich mit Menschen zu vergleichen, die uns ein klein wenig unterlegen sind? Wählen Sie keine unrealistischen Normen und vergleichen Sie sich nicht mit Menschen, die Ihnen überlegen sind. Chronische Überforderung, Selbstzweifel und Unzufriedenheit können die Folge sein.
  3. Immun sein gegen Zweifel und Angriffe: Überdenken Sie doch einmal Kriterien, nach denen Sie Ihre eigenen Erfolge oder Misserfolge bewerten. Beruflicher Erfolg lässt sich beispielsweise am Kriterium der Gehaltshöhe festmachen, man kann aber auch besonderes Gewicht auf den inhaltlichen Wert der Tätigkeit legen. Wählen Sie keine Erfolgskriterien, die Sie nicht erreichen können und ziehen Sie daraus vor allem keine verallgemeinernde Schlussfolgerung wie beispielsweise „mir gelingt nichts“. Wer sich selbst achtet und anerkennt, reagiert dagegen flexibel. Kann er ein Kriterium nicht erfüllen, konzentriert er sich eben auf ein anderes: „zwar nicht viel Gehalt, aber dafür ist meine Arbeit sinnvoll“.
  4. Erfolg:Was ist Erfolg? Die Definition obliegt Ihnen. Ein Tipp – definieren Sie Erfolg weit. Erfolgserlebnisse können bestandene Prüfungen, Beförderungen oder auch Gehaltserhöhungen sein. Erfolge können aber auch alltägliche Dinge sein, wie beispielsweise Ordnung zu halten oder den eigenen Vorstellungen hinsichtlich Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gerecht zu werden.

Wer allerdings zu sehr von seinen eigenen Fähigkeiten überzeugt ist, kann durch den zur Schau getragenen Stolz andere abschrecken. Menschen, die sich nicht besonders mögen, sind manchmal beliebter, weil sie bescheidener wirken, obwohl sie das selbst oft nicht glauben. Die Psychotherapeuten André und Lelord bescheinigen selbstwertschwachen Personen eine besondere Fähigkeit zu Empathie. Weil diese Menschen oft aus Angst anzuecken, viel Aufmerksamkeit auf ihre Mitmenschen richten, sind sie darin geübt, sich in die Gedanken und Gefühle der anderen hineinzuversetzen.

Es ist schön, wenn Sie an sich arbeiten wollen, aber kritisieren Sie sich nicht zu viel. Vertrauen Sie auf sich und der Tatsache, dass Sie gut sind, wie Sie sind.

Ich wünsche Ihnen, wie immer viel Spaß mit den gewonnenen Erkenntnissen und gebe Ihnen vorab schon mit – seien Sie nicht allzu streng zu sich selbst. Sie sind es, der über Sie urteilt…

Herzliche Grüße, Natascha Freund

Quelle: Psychologie heute kompakt, 2013

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Ich wünsche dir Zeit!

Liebe Leserinnen und Leser,

Zeit scheint heutzutage ein knappes Gut zu sein, etwas sehr Kostbares. Im Newsletter von August darf ich Ihnen ein Gedicht von Elli Michler mit dem Titel „Ich wünsche dir Zeit“ – nachzulesen unter www.ellimichler.de – zum Nachdenken, als Anregung oder einfach nur so vorstellen.

Viel Spaß und auch Erfolg beim „Zeit haben“.

Herzliche Grüße,

Natascha Freund

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Eine Geschichte zum Nachdenken

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Sommerzeit und auch Ferienzeit und vielleicht ergibt sich damit auch Zeit für Geschichten zum Selbstlesen, zum Vorlesen oder Vorlesen lassen oder einfach zum Nachdenken.

Nachstehend finden Sie eine Geschichte, die anregt, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und Dinge, die man nicht ändern kann, anzunehmen:

Fathima, die wunderschöne Tochter des Sultans Achmet, war15 Jahre alt , als ihre ergraute Kinderfrau, die neben ihr auf dem rotsamtenen Diwan saß und feine Spitzen um ein Seidentaschentuch häkelte, ihr eine Geschichte erzählte, die sie nie vergessen sollte: denn es war eine geheimnisvolle Geschichte von unerfüllbaren Wünschen, von Ohnmacht und Hilflosigkeit und von der Weisheit, die darin besteht, Unerreichbares loszulassen. Kurz: Es war eine Geschichte über das Leben.

In alten, grauen Zeiten, lange bevor Achmet Sultan im Morgenland wurde, bekommen seine Vorfahren Mechmet und Leila zu ihrer Hochzeit eine wundervolle Vase geschenkt. Die Vase ist von auserlesener Schönheit. Über einem breiten, goldenen Fuß rankt sie sieh leicht und schlank empor, formt zu beiden Seiten zwei geschwungene Henkel und schließt sich zuletzt in einem vollkommenen Kreis um die kleine Öffnung. Beide Seiten der Vase sind mit Gold/ Blau und Purpurrot bemalt/ aber mit so unterschiedlichen Mustern, dass sie einander ähneln und doch grundverschieden sind. Mit der Vase ist ein Auftrag verbunden: Die Besitzer sollen sie jeden Morgen bei Sonnenaufgang auf den Felsen über dem Fluss stellen, damit sie sich am Tage mit dem Licht und der Wärme füllen und nachts das junge Paar mit ihrem Inhalt erfreuen könne. Einige Jahre führen Mechmet und Leila ein glückliches, Iicht- und wärme erfülltes Leben, dem auch ein Kind entspringt: ihre Tochter Lucia.

Dann/eines Abends, geraten Mechmet und Leila in Streit darüber, wer heute die Vase vom Felsen holen solle. Jeder von beiden behauptet, der andere sei dran/jeder behauptet, er habe Recht und es sei die Schuld des anderen, wenn der Vase nachts etwas widerfahre. Wütend schlafen beide ein. Das zischende Geräusch eines grellen Blitzes und ein furchtbares Donnergrollen weckt sie mitten in der Nacht. Sie wissen beide, was das bedeutet. Als sie ins Dunkel hinaus hasten und zu dem Felsen kommen, auf dem die Vase stand, liegt dort nur noch eine Hälfte. Der Blitz hat das edle Gefäß gespalten. Sosehr sie auch suchen, die andere Hälfte bleibt verschwunden, sie muss hinunter in den Fluss gefallen sein. Aber auch die Suche im Flussbett während der nächsten Tage und Wochen bleibt  vergeblich. Leila weint bitterlich, und Mechmet schweigt mit zusammengepressten Lippen. Sie beginnen sich darüber zu streiten, was mit der übrigen Hälfte geschehen solle. Mechmet findet sie zu nichts mehr nutze und wirft sie eines Tages, als er sich von Leila unbeobachtet glaubt, weg, aber Leila hat es gesehen, sie holt die Vasenhälfte, die sie an Zeiten der Wärme und Liebe erinnert, heimlich zurück und versteckt sie in ihrer Truhe.

Jahrelang spricht niemand mehr von der Vase. Mechmet beginnt ein neues Leben mit viel Arbeit, Leila ist oft still und traurig, und Lucia wächst heran. Kurz vor Lucias siebentem Geburtstag fällt Leila ein, dass sie in der großen, alten Truhe ein wertvolles Goldstück aufbewahrt/und sie beschließt, ihrer Tochter davon etwas Besonderes zum Geburtstag zu kaufen. Zum ersten Mal nach Jahren öffnet sie die Truhe und findet neben dem Goldstück die fast vergessene Vasenhälfte. Lucia hat der Mutter beim Suchen zugeschaut, beginnt nun zu fragen und erfährt die Geschichte der Vase.

Da sie mutig und neugierig ist, läuft sie sogleich zum Fluss, zieht Schuhe und Strümpfe aus, watet ins seichte Wasser und spürt nach wenigen Schritten unter ihren Füßen etwas Hartes. Als sie es vorsichtig ausgräbt, ist es der andere Teil der Vase. Freudig erregt läuft sie damit zu ihrer Mutter. Beim Anblick der verloren geglaubten Hälfte durchläuft Leila ein warmer Schauer des Erinnerns. Geschäftig beginnt sie, sie vom Sand und Schlick des Flusses zu befreien. Lucia spürt die hoffnungsfrohe Aufregung der Mutter. Schließlich hält Leila die beiden Hälften aneinander. Da erst sieht sie, wie verschieden sie voneinander geworden Sind. Die Hälfte, die sieben Jahre im Wasser gelegen hat, zeigt nur noch blasse Blau-, Gold- und Purpurspuren, Kies und Sand haben die Bruchstellen abgeschliffen und manche Kerbe ins Porzellan geschlagen. Da wird Leila voll Trauer gewahr, dass die beiden Hälften nicht mehr zusammenpassen. Sie befiehlt ihrer Dienerin, unverzüglich beide Teile wegzuwerfen. Lucia folgt der Magd und überredet sie, ihr die Hälften, wie sie sagt, »zum Spielen« zu überlassen.

In Wahrheit aber hat Lucia beschlossen, die zerbrochene Vase um jeden Preis wieder ganz zu machen. Freude und Traurigkeit ihrer Mutter haben ihr gezeigt, wie wichtig die Vase für Leila sein muss.

Weil Lucia ihre Mutter über alles  liebt, versucht sie in den kommenden Wochen heimlich, Nacht für Nacht, die Vase zusammenzufügen: Jedoch, was immer Lucia auch verwendet, um die beiden Teile wieder miteinander zu verbinden – Kleber, Kitt, Ton, ja sogar in Honig gelösten Muschelkalk-, am Morgen liegen sie wieder getrennt nebeneinander. Lucia, die sieht, wie ihre Mutter wieder in die alte Traurigkeit verfällt, gibt nicht  auf. Sie schläft kaum noch probiert nachts eine Klebstoffmischung nach der anderen aus und ist fest davon überzeugt, dass es einzig an ihrer Unfähigkeit liegt, dass die Vase nicht zusammenhält. Weil sie nachts arbeitet, schläft sie Oft am Tag und spielt immer seltener mit ihren Freunden.

Eines Tages weckt sie ihr Freund Gülhan um drei Uhr mittags und schimpft: »Mit dir ist ja gar nichts mehr anzufangen, du bist echt langweilig.« Weil er Lucia gern mag, fügt er, mit beiden Händen in seine prallen Taschen greifend, hinzu: »Ich habe dir viele Haselnüsse und Walnüsse mitgebracht. In der letzten Nacht war ein großer Sturm. Ich habe gesehen, wie die Walnussbäume und die Haselnussbäume sich mächtig wehrten und ihre Kronen schüttelten, weil sie ihre Nüsschen nicht loslassen wollten, und ich habe gehört, wie der Sturm heulte: >Lass los, lass los, lass los.< Das war ein gewaltiger Kampf, und der Sturm hat gewonnen. Heute Morgen lagen unendlich viele Nüsse unter den Bäumen, denn sie sind reif, und im nächsten Jahr können wieder neue wachsen. Gib mir zwei Schalen, liebe Lucia, damit ich die Haselnüsse in die eine und die Walnüsse in die andere legen kann.« Während Lucia im Schrankvergeblich nach zwei Schalen sucht, hat Gülhan längst die beiden Hälften der Vase entdeckt und sie mit den Nüssen gefüllt. Als Lucia das sieht, will sie zuerst laut schimpfen, aber dann gefällt ihr die braune Pracht der Waldfrüchte in den kostbaren Gefäßen, und sie holt einen Nussknacker.

»Und wie ging das weiter?« wollte Fathima wissen, als ihre alte Kinderfrau die Geschichte beendet hatte. »Oh«, sagte diese, »Lucia hat in ihrem Leben noch viele Schalen mit Früchten gefüllt, manche mit Brombeeren, andere mit Weintrauben, wieder andere mit Pilzen, mit Eicheln oder mit Sonnenblumenkernen.«

Viel Freude beim Vermehren der gewonnenen Erkenntnisse wünscht

Natascha Freund

Quelle: Spangenberg 1996, S.16-19

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Loslassen

Liebe Leserinnen und Leser,

am 24. Mai 2014 fand der erste Workshop zum Thema

„Loslassen“

in meiner Wiener Praxis statt.

Loslassen begleitet uns das ganze Leben. In manchen Situationen gelingt uns das ganz gut, es geht fast intuitiv, ohne viel Nachdenken oder überlegen, wie es funktionieren könnte – man weiß einfach, wie es funktioniert. In manchen Situationen funktioniert das Loslassen hingegen gar nicht. Manchmal liest man, dass Loslassen, etwas mit Annehmen zu tun hat. Nichts was wir festhalten, kann sich frei entfalten. An dieser Stelle möchte ich aber einwenden, dass Loslassen und Annehmen nicht resignierend erfolgen soll.

Loslassen ist eine Entscheidung.

Loslassen ist eine Erfahrung.

Loslassen bedeutet Veränderung.

Bei dem Gedanken der Selbstveränderung ist zunächst die Vorstellung, dass es doch eigentlich sehr leicht sein müsste, sich selbst zu verändern, wenn man es nur wirklich will.

Genau das ist aber dann auch das Problem: Wie oft haben wir uns schon Dinge vorgenommen, die wir wirklich wollten? Wir wollten abnehmen, das Rauchen aufgeben, mehr Sport treiben, uns mehr Zeit für uns und unsere Familie nehmen, weniger ärgern und aufregen, häufiger mal ausspannen, nicht mehr so viel streiten, etc.

Diese oder andere Veränderungen wollten wir wirklich. Wir waren auch fest davon überzeugt, diese umzusetzen. Aber was war dann das Ergebnis?

Unsere Vorsätze waren wie ein Startschuss, dem aber meist kein Rennen folgte!

Wir fragen uns, warum wir das eine oder andere trotz der besten Vorsätze nicht ändern können. Der Grund hierfür liegt darin, dass sich der bewusste Wille, dem Unbewussten entgegensetzt. Abläufe, die wir nicht unbedingt unmittelbar selbst steuern können. Ein Vorgang, der sich im Gehirn, auf der sogenannten  limbischen Ebene abspielt.

Die limbische Ebene selbst ist jedoch auch nicht unbeeinflussbar – eine Möglichkeit ist beispielsweise die Selbstmotivation.

Selbstmotivation ist dann nötig, wenn ich Zweifel darüber habe, dass ich mein Ziel erreichen kann. Im Wesentlichen gibt es 4 Möglichkeiten der Selbstmotivation:

  • Suchen Sie sich Vorbilder. Menschen, die Sie begeistern in ihrer Vorgehensweise.
  • Setzen Sie sich Ziele. Diese müssen klar formuliert und für Sie realistisch in ihrer Erreichbarkeit sein.
  • Setzen Sie kleine Schritte. Durch das Erreichen von kleinen Teilzielen erleben Sie häufiger Erfolgserlebnisse, die Sie bestärken und Ihnen Mut machen.
  • Belohnen Sie sich selbst, wenn Sie Ihre Vorgaben erreicht haben mit einer Kleinigkeit.

 Selbstmotivation ist also auch eine Leistung des Gehirns.

Weil Loslassen im Kopf beginnt, habe ich in dem Workshop zunächst die neuesten Erkenntnisse zu dieser Frage aus der Gehirnforschung präsentiert. Wie funktioniert Verhaltensänderung im Gehirn, sind Glück und Zufriedenheit eine Frage der Umstände waren ebenso Thema wie das Unbewusste.

Im Rahmen des Workshops haben die Teilnehmer Methoden und Anregungen kennengelernt, was Ihnen das Loslassen erleichtert.

Der nächste Workshop zum Thema „Loslassen“ findet übrigens am Samstag, den 11. Oktober 2014 statt. Wenn Sie sich jetzt schon einmal unverbindlich anmelden wollen, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail an freund(at)copala.at.

Herzliche Grüße,

Natascha Freund

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Können Scheidungskinder wirklich glücklich werden?

Liebe Leserinnen und Leser,

im Zuge der der Unterstützung von Paaren, die sich scheiden lassen wollen, führe ich viele Elternberatungen durch. Diese Beratungen sollen Eltern helfen, wie sie ihre Kinder während der Scheidung aber ganz besonders danach begleiten und unterstützen können. Im diesem Newsletter möchte ich der Frage nachgehen

Können Scheidungskinder wirklich glücklich werden?

Der überwiegende Teil der  Literatur zu diesem Thema beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Unglück von Scheidungskindern. Es wird darin beschrieben, wie schlecht es Kindern geht bzw. welche Folgen es für ihr Leben bedeutet, wenn sich die leiblichen Eltern scheiden lassen. Meiner Erfahrung nach ist dies jedoch zu schnell geurteilt. Wenn sich Eltern streiten, fühlen sich Kinder mitunter selbst abgelehnt. Selbst wenn Eltern nicht vor den Kindern streiten, so spüren Kinder den Konflikt. Ist dem ständigen, wenn auch unausgesprochenen Konflikt für Kinder tatsächlich der Vorzug vor einer Trennung zu geben? Hierauf gibt es freilich keine eindeutige Antwort, kommt es hier doch sehr stark auf die Umstände an, dh in erster Linie wie die Trennung seitens der Eltern erfolgt.

In einem Interview diskutieren Helge-Ulrike Hyams (Professorin für Pädagogik an der Universität Bremen) und Remo H. Largo (Professor für Kinderheilkunde und Leiter der Abteilung Wachstum und Entwicklung am Universitäts-Kinderspital Zürich) zum Thema Scheidungskinder und deren Glück.

Frau Prof. Hyams berichtet von Studien, die zeigen, dass sich Väter nach einer Scheidung immer mehr zurückziehen. Dies hat zum einen seinen Hintergrund darin, dass 90 % der Scheidungskinder bei der Mutter leben. Manche Väter ziehen sich von sich aus zurück, andere werden von den Frauen ausgegrenzt. Zwei Jahre nach der Scheidung hat etwa nur noch jeder zweite Vater Kontakt zu den Kindern.

Dem entgegnet Prof. Largo, dass sich bei einem Blick auf die Familienkonstellation während aufrechter Ehe zeigt, dass der Vater bereits während „aufrechter Ehe“ wenig Beziehung zu seinen Kindern hatte. Beziehungen gründen sich auf gemeinsamen Erfahrungen. Wenn ein  Vater dies vor der Scheidung selten gemacht hat, dann hat er nachher auch kaum eine Chance mehr. Der Vater muss sich von Beginn an auf eine Beziehung mit einem Kind einlassen und darf nicht warten, bis es beispielsweise groß genug ist, um mit ihm Fußball spielen zu gehen. Dann kann es zu spät sein, um eine Beziehung aufzubauen. Mütter grenzen den Vater manchmal aber auch bewusst aus. Sie wollen allein für die Kinder „zuständig“ sein; die einzige Bezugsperson für das Kind sein. Meiner Erfahrung nach handelt es sich aber nicht um ausschließlich scheidungsspezifische Konflikte; steckt hier der Wurm doch schon „zuvor“ als alle noch von „Familie“ gesprochen haben, drin.

Zurück zum Thema Scheidung und die Bedürfnisse der Kinder. Kinder wollen keine Scheidung, weil sie Angst haben, verlassen zu werden. Daher ist, so Prof. Largo, das einzige das zählt, die Erfahrung, dass sie nach einer Scheidung nicht verlassen werden. Kinder können – bis zu einem gewissen Alter – nicht allein sein. Die Beziehung zu Mutter und Vater ist absolut und unkündbar, auch wenn Sie sich auf Paarebene trennen. Was heißt der – aus Kindersicht – komische Satz „Meine Eltern lassen sich scheiden“? Kinder können mit dem Wort „Scheidung“ nichts anfangen.

Das Bedürfnis nach Geborgenheit und Zuwendung bekommen Kinder nicht nur von Eltern, sondern auch von Großeltern oder anderen Bezugspersonen. Daher ist es insbesondere wichtig, dass die Betreuung des Kindes durch diese Personen  auch nach der Trennung erhalten bleibt. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Trennung. Ob die Bedürfnisse eines Kindes abgedeckt werden oder nicht, ist nicht an ein Familienmodell gebunden, meint Prof. Largo.

Dahingehen vertritt Prof. Hyams die Ansicht, dass ein Kind nicht mit einem Elternteil alleine zusammenleben soll. In diesem Fall ist das Kind diesem Elternteil komplett ausgeliefert und es darf nie einen ernsthaften Konflikt riskieren, weil es dann von der einzigen Person abgelehnt werden könnte, die es noch hat. Das führt zu großen Verlassens-Ängsten. Darüber hinaus identifiziert sich ein Kind nicht nur mit einem Elternteil, sondern mit der Beziehung der Eltern zueinander. Vor diesem Hintergrund vertritt Hyams auch die Ansicht, dass Scheidungskinder in weiterer Folge selbst zu Scheidungseltern werden.

Dem ist jedoch aus meiner Erfahrung entgegen zu halten, dass Kinder über Vorbilder sozialisiert werden. Sie nehmen nicht irgendein Verhalten an, sondern nur ein vorgelebtes. Es ist die Entscheidung des Kindes, was es von dem vorgelebten Verhalten annehmen möchte und was nicht. Ist eine Beziehung voller Ablehnung oder sind sich die Eltern zugetan und unterstützen sich gegenseitig vielleicht auch nach der Trennung? Es hängt nicht vom institutionellen Rahmen ab. Kinder beobachten sehr genau, wie sich Mutter und Vater bzw. in weiterer Folge, wenn ein oder beide Elternteile eine neue Beziehung eingehen, wie die Partner sich zum Elternteil verhalten. Die Kinder lernen daraus. Sollte es demnach zur Trennung der Eltern kommen, ist für das Wohl des Kindes vielmehr relevant, wie die Eltern den Umgang miteinander – gegeneinander fortan pflegen.

In Studien wurde u.a. auch herausgefunden, dass sich in Scheidungsfamilien, in denen es den Kindern gut geht, es den Eltern gelungen ist, ihre negativen Gefühle zueinander weitgehend abzubauen. Diese Eltern instrumentalisieren ihre Kinder nicht, um ihren persönlichen Streit auszutragen. In der Praxis erfolgt dies jedoch leider noch sehr selten. Weil man „den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“ und weil bei einer Scheidung viele Emotionen mitspielen, kann es zum eigenen Wohl aber auch zum Wohl der Kinder eine Beratung unterstützend sein.

Herzliche Grüße,

Natascha Freund

Zitate aus GEOWissen Nr. 34/2004

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